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Eröffnungsrede zur Tagung „Volkskrankheit Depression“
23.10.2006

Edda Schliepack , SoVD Niedersachsen - Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses
(Es gilt das gesprochene Wort!)
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie ganz herzlich zu unserer Tagung „Volkskrankheit Depression“. Besonders freue ich mich, dass wir diese Tagung gemeinsam mit der Evangelischen Akademie organisieren und damit die gute Zusammenarbeit der vergangenen Jahre fortsetzen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bei der Akademie bedanken.
Wie Sie bereits dem Tagungsprogramm entnehmen konnten, leiden nach neuesten Schätzungen rund fünf Prozent der Menschen hierzulande an vorübergehenden oder ständigen Depressionen. Dabei fällt insbesondere die Steigerungsrate ins Auge: In nur fünf Jahren betrug der Zuwachs rund 20 Prozent. Experten des Gesundheitswesens schließen daher auf ein weiteres starkes Ansteigen dieses Krankheitsbildes in der Gesamtbevölkerung.
Auch vor Kindern und Jugendlichen macht diese Entwicklung nicht Halt. In der vergangenen Woche meldete die Tageszeitung Neue Presse aus Hannover, jedes vierte Kind sei bereits von depressiven Erkrankungen bedroht. Nach Angaben des Chefarztes der Kinder- und Jugendpsychotherapie an einem Kinderkrankenhaus soll sich die Zahl der Fälle in den zurückliegenden zehn Jahren insgesamt mindestens verdoppelt haben.
Nimmt man nun die Erkenntnis hinzu, dass grundsätzlich alle Bevölkerungskreise von depressiven Erkrankungen betroffen sein können, so ist der Titel dieser Veranstaltung wohl zurecht nicht mit einem Fragezeichen versehen.
Wir stehen angesichts des großen Verbreitungsgrades in der Bevölkerung tatsächlich vor „einer neuen gesellschaftlichen Herausforderung“. Diese als Untertitel der Tagung verwendete Formulierung belegt außerdem eine veränderte Sicht- oder Herangehensweise. Erstens kann keineswegs mehr von Einzelfällen erkrankter Menschen gesprochen werden. Zweitens handelt sich nicht um etwas, mit dem Betroffene allein gelassen werden dürfen. Und drittens verbietet sich nun endgültig eine Banalisierung depressiver Zustände als „Launen“ oder „Stimmungsschwankungen“.
Wie bei psychischen Erkrankungen üblich, zeigt sich die Hilflosigkeit im Umgang mit depressiv Erkrankten besonders auch an nicht nachvollziehbaren Schuldzuweisungen aus den Reihen von Angehörigen oder Bekannten. Die Betroffenen seien aus den verschiedensten Gründen selbst verantwortlich für Erkrankung – was schlicht falsch und absolut kontraproduktiv ist. Statt dessen gilt es, Krankheitsbilder zu erkennen und Hilfe zu suchen. Unberechtigte Aussagen - wie die soeben von mir angedeutete - sind allerdings geeignet, die Betroffenen noch weiter in ihr Schicksal zu stoßen. Und genau das gilt es zu verhindern.
Auf dieser Tagung soll es deshalb insgesamt darum gehen, die Depression als ernstzunehmende Krankheit in den Blick zu nehmen, nach Erscheinungsformen und Behandlungsmöglichkeiten zu fragen und Suizidprävention ins Auge zu fassen. Zudem müssen die gesellschaftlichen Kosten dieser Erkrankung zur Kenntnis genommen werden. Dabei sind auch Lösungsmöglichkeiten hinsichtlich Betreuung, Pflege und Integration zu bedenken.
Insgesamt glaube ich, meine sehr verehrten Damen und Herren, konnten wir ein interessantes Programm zusammenstellen. Ich wünsche Ihnen und uns eine anregende Tagung mit interessanten Gesprächen und Diskussionen, nutzen Sie dazu bitte auch die Gelegenheit am Abend auf der Galerie.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
